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Bayr

Hilfsmittelmarkt – Phlebologie – Orthopädie – Prothetik

Im März 2011 traf sich die Arbeitsgemeinschaft der Lehrerinnen und Lehrer für Orthopädie-Schuhtechnik, ALOST e.V., auf Einladung

der Firma medi in Bayreuth. Ein besonderer Dank ging vorab an Natalia Friesen, die eine interessante Fortbildung zusammengestellt hatte.

Die vielen Arbeitsschritte vom Faden bis zum fertigen Kompressionsstrumpf konnte man bei einer Betriebsführung miterleben. Rund- oder

flachgestrickt, Konfektion oder Maßanfertigung, Strümpfe oder Strumpfhosen: alles erfordert viele Handgriffe und eine fein programmierte Technik

bis zum fertigen Produkt.

Alexander Alius informierte anschließend über die aktuellen Entwicklungen auf dem Hilfsmittelmarkt. Im Sozialrecht, laut SGB 5, sind Hilfsmittel

definiert als „home care“ verbunden mit einem Zuhause-Einsatz. Über die Aufnahme neuer Hilfsmittel in die Hilfsmittelliste entscheidet der GBA,

Gemeinsamer Bundesausschuss, in dem Krankenkassen und weitere Fachleute vertreten sind. Weitere Diskussionspunkte waren das

Wettbewerbsstärkungsgesetz für die gesetzlichen Krankenkassen (GKV-WSG), Neustrukturierung der Hilfsmitteliste (Bandagen zu den Orthesen).

Auch für den Orthopädie-Schuhmacher als Leistungserbringer wird sich einiges ändern. Das bisherige Zulassungsverfahren war an die

Meisterprüfung gebunden. Präqualifizierung auf Zeit, Einzel-, Ausschreibungs- und Verhandlungsverträge werden die vertragliche Basis sein,

damit der Patient sein Hilfsmittel erhält. Zu hoffen ist, dass nicht der Preis wichtiger ist als die Qualität des Hilfsmittels, frei nach dem Motto „Billig

gewinnt“.

Beate Neugebauer informierte über die Besonderheiten von Kompressionsstrümpfen. Die Abbruchquote von Kompressionsstrümpfen

nach dem 1. Rezept liegt etwa bei 50 %. Gründe dafür sind zu schweres An- und Ausziehen und Schwitzen. Ist der Leistungserbringer nur eine

„Rezept-Annahme-Schachtel-Wechsel-Station“, wird der Patient mit den Anwendungsproblemen nach Hause geschickt. Hier sind Sanitätshaus,

Apotheke oder Orthopädie-Schuhmacher in der Pflicht. Beratung, Aufklärung und Hilfestellung sollten den Patienten begleiten, damit der

Kompressionsstrumpf zum Therapieerfolg führt.

RAL, der Reichsausschuss für Lieferbedingungen, sorgt mit seinen Vorschriften dafür, dass Produkte ständig mit gleichmäßiger Qualität produziert

werden. Wenn ein medizinischer Kompressionsstrumpf den RAL-Vorschriften entspricht, ist er von den Krankenkassen anerkannt. Die RAL-Liste

legt fest, dass der querlaufende Schussfaden mit vorgeschriebener Garnstärke immer umwunden sein muss. Für die Ferse gilt, dass sie gependelt

sein muss, d.h. stricktechnisch geformt durch pendelnde Hin- und Zurück-Reihen, um anschließend mit den solange stillgelegten Maschen

zusammen den Strumpf fertig zu stricken. Die Ferse darf nicht in Form gedehnt werden, sondern muss extra gestrickt werden.

Die Fußlänge ist laut RAL nicht vorgeschrieben. Der obere stricktechnische Abschluss darf nicht breiter als 5 cm sein, auch wenn ein breiteres

Haftband vielleicht schicker aussieht oder besseren Halt geben würde. Bei starken Schenkeln rollt sich ein 5-cm-Haftband um und der Strumpf

rutscht. In diesen Fall ist eine Strumpfhose sinnvoller. Auch die Messpunkte für Länge und Umfangmaße, Verteilung des Kompressionsdruck vom

Fußgelenk (= 100 %) bis zum Strumpfabschluss und die Kompressionsklassen sind ebenfalls von der RAL festgelegt. Wie unterscheiden sich

Kompressionsstrümpfe, wenn alle Hersteller nach den gleichen RAL-Vorschriften produzieren? Die Garnstärke ist zwar festgelegt, damit die

„Quantität“. Der Unterschied besteht in der Qualität: mehrere Schichten der Umwicklung des Schussfadens leiten die Feuchtigkeit der Haut nach

außen und sorgen für ein trockenes warmes Mikroklima im Strumpf. Elasthan und Polyamid sind hierfür besser geeignet als Baumwolle, die die

Feuchtigkeit bindet und auf der Haut festhält. Mikrofasern sind weich im Griff, lassen sich als Kompressionsstrumpf gut an- und ausziehen, neigen

aber auch zum Rutschen des Strumpfes und zum Pilling mit unschönen Faserknäueln an strapazierten Stellen, die der Reibung ausgesetzt sind.

Bei der Clima Fresh-Ausrüstung schützen aufgepuderte Silberionen vor Fußpilz und dem resistenten Krankenhauskeim MRSA.

Die Silberionen sind unsichtbar, nicht auswaschbar oder ablösbar und sie übertragen sich nicht auf die Haut. So können sich die Fußpilzsporen

nicht im Gestrick einnisten. Das Haftband darf nicht aus einer geschlossenen Silikonschicht bestehen, da die Poren der Haut sonst luftdicht

„versiegelt“ werden. Reibungen, Rötungen und Hautirritationen wären die Folge. Noppen oder Streifen aus Silikon lassen genug Luft an die Haut.

Silberionen im Silikon schützen zusätzlich vor Hautreizungen. Das Haftband mit Silikon muss immer korrekt sitzen. Wenn es sich einmal

umgekrempelt hat, ist es nicht mehr funktionsfähig.

Bilder von Patienten mit Lymphödemen wurden vor der Behandlung und mit Kompressionsversorgung vorgestellt. Lymphdrainage, Kompression

durch Wickelverbände und in der 3. Stufe Kompressionsstrümpfe sind die bewährte Reihenfolge der Therapie. Eine flachgestrickte

Kompressionsstrumpfhose hat den Vorteil, dass sie sich bei kräftigen Patienten in Problemzonen, z.B. im Schritt, dem Körper anpasst und nicht zu

tief hängt. Das An- und Ausziehen erfordert einiges Training. Doch mit etwas Übung, der richtigen Technik, unterstützt mit einer Anziehhilfe,

kommt man mit deutlich weniger Kraftaufwand in die Strümpfe rein und wieder raus. Patienten mit Elephantiasis oder Lipödemen,

mit Fetteinlagerungen in Form von „Reiterhosen“, kann mit Kompressionsstrümpfen geholfen werden. Strümpfe gegen Reisethrombose und

Thromboseprophylaxe für den liegenden Patienten wirken nach dem gleichen Prinzip, nur mit geringer Kompressionsklasse.

Ein Stützstrumpf richtet sich nur nach der Schuh- oder Konfektionsgröße. Der Druckverlauf in einem Stützstrumpf von unten nach oben ist gleichbleibend, ohne besonderen Druck am Fußgelenk. Der Druck ist nur schwach und liegt unter der Kompressionsklasse 1.

Mathias Leitloff lenkte den Blick auf eine andere Gruppe der Hilfsmittel: Bandagen und Orthesen. Beides braucht man in der Therapie von

Verletzungen und Erkrankungen des Bewegungsapparates, wie Arthrose, Verstauchungen, Überlastung, Verdrehung, Prellung, Dehnung,

Kreuzbandrisse, Osteoporose, usw.

Die Bandage lässt sich strumpfartig anziehen. Durch ihre Kompressionswirkung gibt sie Halt, stabilisiert und regt durch Massage die Propriozeptoren

im tiefen Gewebe an. Diese Hilfsmelder in den Muskelspindeln, die das Gehirn über die Gelenkstellung informieren, verbessern so die Kontrolle der

durch die Verletzung eingeschränkten Gelenkbewegung. Die Bandagen wirken am besten in Bewegung, wenn die Muskeln aktiv sind.

Eine komfortable Bandage hat in der Beuge- und Streckzone wie z.B. in der Kniekehle oder am Fußgelenk eine höhere Elastizität durch

unterschiedliche Fadenspannung während des Strickens. Das Patellafenster an der Kniebandage ermöglicht durch geringeren Anpressdruck die

natürliche Gleitbewegung im Kniegelenk. Die Kapillaren der Fäden in den Maschen leiten die Feuchtigkeit der Haut nach außen und sorgen so für

Klimakomfort. Silberionen im Gestrick besänftigen Hautirritationen.

Orthesen stabilisieren, begrenzen, sichern, korrigieren und entlasten Gelenkbewegungen. Neben Operationen, Krankengymnastik, Medikamenten

unterstützen Bandagen und Orthesen den Heilungsprozess. Indikationen für eine Anwendung sind Instabilitäten und Rupturen des Bandapparates

und postoperativer Einsatz zur funktionellen Rehabilitation. Dabei muss die Orthese die Bewegung des Gelenks begleiten: bei Flexion sich

auseinander ziehen, wenn sich das Gelenk streckt, bei Extension sich zusammen ziehen, wenn sich das Gelenk verkürzt.

So bleibt der Patient mobil und aktiv, damit aus Sehnen neue Bänder bilden können Bei fortschreitender Arthrose z.B. im Kniegelenk schützt die

Orthese das Gelenk durch das 3-Punkt-Entlastungs-Prinzip vor einem Ausbrechen des Beins. Osteoporose kann einen Rundrücken ausbilden,

der einhergeht mit Körpergrößenverlust, eingeschränkter Lungenfunktion, verminderter Muskelkraft des Rumpfes, erhöhtem Sturzrisiko und

eingeschränkter Lebensqualität durch Schmerzen und Beeinträchtigungen im Alltag. Die Orthese Spinimed richtet den Körper wieder auf,

der Körperschwerpunkt verlagert sich nach hinten, die Körperhaltung wird stabiler und das Sturzrisiko schwindet.

Bernhard Kastner lenkte zum Schluss den Focus auf das Thema Prothetik. Phantomschmerzen wie Brennen, Krampfen, messerstichartig

Schmerzen, elektrisierende Schläge, Kribbeln können die unangenehmen Begleiterscheinungen einer Amputation sein. Hier kann ein Liner mit

einem innenliegenden metallurgischen und elastischen Gestrick helfen. Er schirmt die elektromagnetischen Wellen vom Stumpf ab und

leitet die im Stumpf vorhandenen Spannungen nach außen ab.

Arterielle Störungen (80 %), Diabetes (70 %), Adipositas (30 %), älter als 60 Jahre (70 %) sind die häufigsten Gründe für eine Amputation.

Eine gute Prothese wie z.B. die medi Clever Bone System soll 5 Aufgaben erfüllen: Stoßabsorbierung, Stabilität während der Standphase,

Beschleunigung des Körperschwerpunktes, Minimierung des Kraftaufwandes, Rotationsfähigkeit. Die Mobilität der Prothesenträger

wird verbessert mit dem speziell für Beinamputierte abgestimmten Schuhwerk von der Firma Dachstein, das von der „Aktion Gesunder Rücken e.V.“

positiv bewertet wird.

Zum Schluss bedankte sich der Vorsitzende des ALOST e.V., Michael Blau, bei den Referenten und der Firma medi für die informativen Vorträge

und die herzliche Gastfreundschaft.

Zur nächsten Fortbildung der ALOST e.V. wird im Frühjahr 2012 nach Pirmasens eingeladen.






 
 
 
   
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